Freiheit . Freedom . Libertad #dailySketch

Sollten wir nun wirklich Anfangen zu glaub dass Freiheit uns unglücklich macht?

Heute möcht ich meinen normalerweise überwiegend grafischen Posts nun auch einen literarischen Beitrag anfügen. Warum? Weil ich auf ein Thema gestoßen bin das mich berührt und auch etwas beunruhigt. Es geht um das vermehrte auftauchen von Zeitungsartikeln und Posts die sich mit dem Thema Freiheit und Glück beschäftigen.

Zu Beispiel:

Generation Maybe hat sich im Entweder-oder verrannt

Die Nebenwirkungen der Freiheit

In beiden Artikeln wird klar dass es angeblich die Freiheit ist, die uns so unglücklich macht. Es wird beschrieben dass wir alle Möglichkeiten haben, aber genau das uns in Depressionen und Unmut stürzt. Angeblich waren die Generationen vor uns glücklicher und gaben sich einfach ihrem Schicksal hin, weil sie keine Wahl hatten. Man spricht von "unserer Generation" als verloren in der Unendlickeit von Optionen.

Es gibt drei Dinge, die ich daran hinterfragen will:

  • Sind wir tatsächlich unglücklicher als andere und wie misst man das?
  • Haben wir diese angebliche Freiheit wirklich?
  • Will man uns da mitteilen dass Freiheit unglücklich macht und es uns besser geht wenn wir uns Entscheidungen abnehmen lassen??

Wenn wir von Glück reden erscheint mir ein Punkt sehr wichtig, der nicht vergessen werden darf: "Glück" ist etwas sehr persönliches und jeder ist selbst dafür verantwortlich. Wenn ich glücklich sein will, muss ich mich darum bemühen - so wie bei allem im Leben. Kann also tatsächlich jemand allgemein beschreiben was eine ganze Generation glücklich oder unglücklich macht? Haben wir nicht alle verschiedene Definitionen von Glück?

In dem Zeit Artikel wird erwähnt, dass wir laut Meinungsforschungen seit den 1970ern alle unzufriedener werden. Kühn legt der Autor diese Ergebnisse den vermehrten Wahlmöglichkeiten in die Schuhe. Außer acht gelassen werden viele anderen Faktoren. Vielleicht beurteilte man vor 50 Jahren auch einfach "Zufriedenheit" noch etwas anders? Für meine Großeltern war es nicht angebracht sich zu beschweren - man hat es sich nicht erlaubt unglücklich zu sein. Während es mir heute oft so erscheint als würd es kaum andere Gesprächsinhalte als jammerndes Selbstmitleid geben. Vielleicht ist es einfach "moderner" sich zu beschweren? Diese Vermutung ist natürlich genauso wild hinausgeraten wie die des Herrn Kast. Ich will nur einwerfen dass solche Forschungen nicht belegen können ob wir "unglücklicher" werden oder nicht.

"Die Einschätzung, dass gerade "meine" Generation, oder, allgemeiner: wir Menschen in den freien, wohlhabenden Industrienationen, unter chronischer Unzufriedenheit leiden sollten, mutete mich, angesichts unserer – im historischen wie globalen Vergleich – geradezu luxuriösen Lage fast ein bisschen peinlich an."

Klar, wir haben schon mehr Geld und mehr Möglichkeiten und mehr Essen und mehr Wohlstand als andere Länder, lasst uns dann bitte auch noch mehr Unglücklichkeit haben, damit wir uns selbst dann sagen können: Ach, wenn ich doch nur arm wär und in Afrika leben würd' - dann wär ich wenigstens glücklich - WIRKLICH? (Verzeiht den etwas unsachlichen Sarkasmus, aber er steckt mir zu diesem Thema schon so lange im Hals)

Dass es einfacher für uns ist Entscheidungen zu treffen, wenn wir weniger Auswahl haben will ich auf keinem Fall verleugnen. Diese Erfahrung haben wir wahrscheinlich alle schon erlebt. Aber ist die Antwort darauf tatsächlich dass wir glücklicher werden wenn wir weniger Freiheit haben, oder sollten wir nicht besser bei uns selbst anfangen und unsere Einstellung überdenken? Bin ich unglücklich weil ich die Wahl habe oder weil ich mir danach zu viele Gedanken mache: was wäre gewesen wenn ich's doch anders gemacht hätte? Vielleicht sollten wir anfangen einfach mit unseren Etnscheidungen zufrieden zu sein? Vielleich sollten wir wieder vermehrt lernen dass wenn wir eine Entscheidung getroffen haben wir die Konsequenzen tragen und somit auch Verantwortung? Vielleicht ist es das was uns von unseren Großeletern unterscheided?

Ich will nun aufhören von "unserer Generation" zu sprechen, weil ich das als Unmöglich empfinde. Ich sehe mich auch nicht wirklich als Teil dessen was in diesen Artikeln beschrieben wurde. Ich fühle Freiheit nicht als zu grossen Druck, weil ich weiß dass mit Freiheit Verantwortung kommt. Seit ich aus dem Zwang erwachsen bin immer anderen an meinem Elden die Schuld zu geben würde ich mich auch allgemein als sehr glücklicher Mensch bezeichnen.

Vor allem aber sehe ich einen Punkt als das größte Problem dieser Artikel: Es beschreibt eine Freiheit die wir nicht haben. Je mehr ich versuchte diese angebliche Freiheit auszuleben bin ich auch an ihre Grenzen gestossen. Wie wenn man an einer Wegkreuzung steht und einem gesagt wird man kann jeden Weg gehen, man ist Frei. Man freut sich und beginnt querfeldein los zu laufen - doch nach den ersten paar Schritten wird man zurück gerufen: Nein, Halt! So nicht! Du bist frei von den Wegen hier zu wählen - aber über's Feld laufen, das darfst du nicht!

Es beunruhigt mich dass man uns glauben lassen will dass Freiheit etwas schlechtes ist und wir glücklicher wären wenn jemand für uns entscheiden würde. Vor allem wenn man uns die Angst vor der Freiheit macht bevor wir sie überhaupt erlangen konnten...

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